Bärenstarker Birkeneder bezwingt "Hölle von Hawaii"


Pockinger meistert 20 Jahre nach seinem ersten Start erneut den Ironman - und ist dabei nur um 40 Minuten langsamer - 4. Start, vier Mal im Ziel

Hawaii und Georg Birkeneder - diese Verbindung passt einfach. Genau 20 Jahre nach seiner ersten Teilnahme am legendären Ironman auf Kona Big Island hat sich der 59-jährige Pockinger erneut den Traum vieler Ausdauersportler erfüllt und den härtesten Triathlon der Welt gemeistert. Nach 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem abschließenden Marathon (42,195 km) erreichte Birkeneder das Ziel. Erschöpft, aber überglücklich. Und mit einer mehr als beeindruckenden Zeit: 12 Stunden, 12 Minuten standen auf der Uhr, als Lohn gab es Platz 21 in seiner Altersklasse (60 - 64), in der rund 70 Sportler an den Start gegangen waren.

Für Birkeneder, der für das Tri-Team Triftern startet, war es seine insgesamt vierte Teilnahme an der Triathlon-Weltmeisterschaft. 1997 bezwang er die "Hölle von Hawaii", 11 Stunden und 32 Minuten hatte er damals benötigt. 20 Jahre später war Birkeneder gerade einmal 40 Minuten langsamer - das zeigt, welch bärenstarkes Rennen der Pockinger abgeliefert hat. "Ich bin wirklich zufrieden. Bei einer Weltmeisterschaft im vorderen Drittel zu landen, das freut mich sehr", sagt Birkeneder, der 2012 sogar das Kunststück fertig gebracht hatte, sich gemeinsam mit seiner Frau Ingrid für Hawaii zu qualifizieren - und beide finishten das Rennen.

Dieses Mal qualifizierte sich Georg Birkeneder beim Ironman in Frankfurt. Der 59-jährige kämpfte sich bei 70 Startern auf das Podest und löste als Drittplatzierter das letzte Ticket für das begehrte Rennen in Kona. Bereits zehn Tage vor dem Startschuss in Hawaii traf Birkeneder auf der Insel ein, um sich zu akklimatisieren und sich mit leichtem Training auf den Wettkampf einzustimmen. Vor allem das Schwimmen im fast 27 Grad warmen Pazifik ist gewöhnungsbedürftig. "Unter dir schwimmen kleine Fische und Riesenschildkröten. Einmal tauchte sogar ein großer Mantarochen vorbei - so etwas habe ich noch nie erlebt", erzählt Birkeneder.

Während es das Wetter in den Tagen vor dem Rennen gut mit den Sportlern meinte - nicht zu heiß, wenig Wind - präsentierte sich die Insel ausgerechnet am Wettkampftag von ihrer "gefürchteten" Seite. Strahlender Sonnenschein, Temperaturen bis 37 Grad und dazu ein heftiger Mumuku-Wind. "Man hat teilweise fürchten müssen, nicht von der Straße geblasen zu werden", berichtet Birkeneder.

Das Schwimmen lief für den Pockinger optimal. Nach einer Stunde  und 12 Minuten stieg er mit einem Lächeln aus dem Wasser und schwang sich aufs Rad. "Es war wichtig, nicht zu schnell loszupreschen. Nach zwei Wochen reduziertem Training möchte man am liebsten gleich Vollgas geben, das würde sich aber fatal auswirken. Ich achtete ständig darauf, eine möglichst gleichmäßige Belastung zu fahren und Spitzen zu vermeiden, um Kraft für den anschließenden Marathonlauf zu sparen", sagt Birkeneder. Doch starker Gegenwind macht dem Sportler zu schaffen, hinzu kommen die schier endlos wirkenden Streckenpassagen. "Am besten nicht nachdenken und ruhig bleiben", so Birkeneders Motto. Und: "Du musst dich ständig mit Getränken, Gels und Salztabletten versorgen." Dazwischen schüttete sich Birkeneder immer wieder eiskaltes Wasser über den Kopf. Nach fünf Stunden und 51 Minuten war dann auch der zweite Kampf gewonnen. "Außer brennenden Fußsohlen durch die Hitze gab's nichts zu meckern", so ein zufriedener Birkeneder vor dem abschließenden Marathon, den der Pockinger ruhig und gezielt anging. "Man muss hier bei diesen schwülheißen Temperaturen deutlich langsamer loslaufen als woanders." Schon Faris Al-Sultan, Hawaii-Sieger 2005, sagte einst: "Hier gibt es keine zweite Luft. Darauf könnt ich euch verlassen."

Birkeneder kämpfte sich von Meile zu Meile, von einer Verfplegungsstation zur nächsten. Getränke aufnehmen, kühlen, kühlen, kühlen - und mentale Stärke zeigen. "Stehenbleiben wäre oft das Schönste. Aber das gab es nicht bei mir. Man hat Höhen und Tiefen während des Laufes, es ist eine echte Gefühlsachterbahn. Wenn man dann endlich wieder in die Stadt kommt und die letzten Kilometer vor sich hat, dann sieht man Licht am Ende des Tunnels", erzählt Georg Birkeneder, für den es nach 42,195 km und vier Stunden und 58 Minuten zum vierten Mal in seiner Karriere hieß: "You are an Ironman!" - la (Quelle: PNP vom 27.10.2017, S. 27 - Heimatsport Rottal-Inn)

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